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Eine Woche mit der Minox 35PL


Die Minox 35 PL - Klein, fein, perfekt für die Jackentasche.
Die Minox 35 PL - Klein, fein, perfekt für die Jackentasche.

Nach einem Umzug stand eine Bestandsaufnahme meiner Fotoausrüstung an. Ich kaufte eine neue Kommode für den ganzen Fotokram, welcher sich über die Jahre angesammelt hat und sortierte alles in Plastekisten ein, um die wertvolle Ausrüstung vor Staub zu schützen. So kam es, dass mir beim durchstöbern meiner analogen Kameras ein kleines und unscheinbares Schätzchen in die Hände viel - meine Minox 35 PL. 

Dieses kleine Wunderwerk der Technik hatte es mir direkt nach dem Kauf vor vielen Jahren schon angetan, jedoch verlor ich die analoge Fotografie nach und nach aus den Augen. Das sollte sich jetzt ändern. Kaum größer als eine Schachtel Zigaretten besticht sie durch ein 35mm 2.8 Objektiv und die Aufnahme auf 135er Kleinbildfilmen. Der perfekte Begleiter also für den täglichen Großstadtjungel und andere alltägliche Situationen. 

Die Minox wurde von 1974 bis 1994 in 16 verschiedenen Versionen gebaut und übernahm von der Rollei 35 den Titel als kleinste Serien-Kleinbildkamera der Welt. Sie misst etwa 10 cm  in der Breite, 6,1 cm in der Höhe und 3,1 cm in der Tiefe und hat Gewicht von etwa 200 g.

Außerdem bietet die Kamera einen Selbstauslöser, einen Gegenlichtschalter auf der Rückseite, welcher eine doppelte Belichtungszeit eben bei Gegenlicht erwirkt, und eine Programmautomatik für das schnelle Fotografieren. Die Blende lässt sich jedoch trotzdem von Blende 2.8 bis Blende 16 durch drehen am Objektiv manuell verstellen und an die jeweilige Situation anpassen. 

Ich dachte mir also, hau ich doch mal einen Film rein und nehme sie mit auf eine Reise durch eine Woche meines Alltag.

Also, ab zu DM um fix welche zu besorgen und schon konnte es losgehen. Da ich vorzugsweise Street mit der kleinen ablichten wollte, landete neben einem Dreierpack Kodak Gold 200 für meine anderen analogen Knipsen auch ein Agfa APX100 S/W Film in dem Einkaufskorb.

Der eben gekaufte APX 100 landete in der Kamera, die ISO wurde eingestellt und die Kleine verschwand zunächst gespannt und abdrückbereit in der Jackentasche.

Das erste Motiv ließ nicht lang auf sich warten, auf dem Weg zur Arbeiz bot sich ein schlafender Mann in der S-Bahn mir schräg gegenüber für das erste Bild an.

Der Fokus wird am Objektiv eingestellt und muss anhand einer Entfernungsskala geschätzt werden. Ich hab alles eingestellt und drückte ab - ein leises, unauffälliges Klicken und das erste Bild wurde auf den Film gebannt. 

Das oben genannte, sehr leise Klicken im Zusammenspiel mit der wirklich mehr als unauffälligen Erscheinung macht die Kamera zu einem äußerst praktikablen Begleiter für die Streetfotografie - ein Thema in welches ich mich als Landschaftsfotograf zunächst erst einarbeiten muss. Dieses Thema wollte ich mit dem ersten Film mit der Kamera noch nicht angehen, sondern nur die Kamera auf die Fähigkeit als Immerdabei-Knippse in meinem Alltag testen. In dieser Woche habe ich jedoch bemerkt, dass mir dieses unauffällige Fotografieren und das Lauern auf spannende Situationen einem den täglichen Weg zur Arbeit versüßen kann und man auch gern mal einen kleinen Umweg fährt, um andere Bahnhöfe und Gegenden  zu erkunden.

Der Weitertransport des Films geschieht durch das zweimalige Betätigen des kleinen Hebels an der Rückseite der Kamera auch fast lautlos und schon ist die Kamera bereit für das nächste Bild.

Die folgenden Tage begleitete mich die kleine Minox also durch meinen Alltag. Gassirunden mit dem Hund, Besuche beim Pferd meiner Freundin und Arbeitswegen wurden für kleine Fotoerkundungen genutzt und nach 7 Tagen waren die 36 Aufnahmen des Films belichtet und bereit, entwickelt zu werden.

Die Schwarz-Weiß-Entwicklung könnte man eigentlich sehr simpel und kostengünstig zu Hause erledigen, doch für meine ersten Gehversuche mit S/W-Filmen wollte ich mir nicht extra die benötigte Ausrüstung kaufen und gab den Film einfach bei einer Drogerie zur Entwicklung ab.

Dort wird die Entwicklung zwar leider nicht wirklich toll gemacht, aber ich konnte erstmal sehen ob die Kamera ihren Job noch souverän erledigt und wenn ja, mir für die nächsten Filme mal ein ordentliches Labor in meiner näheren Umgebung suchen.

Die Entwicklung dauerte ganze zehn Tage, bis ich den Film dann für knapp 10€ mit allen Bildern als 9x13 Drucken abholen konnte.

Zu Hause angekommen habe ich die Bilder begutachtet und war erstaunt wie toll sich die Minox geschlagen hat.

Ich fotografierte die Negative mit meiner DSLM ab, machte in Lightroom einige Anpassungen und erfreute mich an Aufnahmen, welche mit digitalen Kameras wirklich schwer nachzustellen sind.

Jetzt bin ich angefixt, gleich wieder zu DM um noch zwei S/W Filme zu holen und weitere meiner analogen Schätzchen mit Filmen zu füttern. 

In nächster Zeit wird mich wohl immer mal wieder eine meiner analogen Knippse begleiten und eventuell werde ich mich mal mit der Entwicklung von Schwarz-Weiß-Filmen auseinandersetzen.

Abschließend muss ich sagen, dass mir die Kamera in dieser Woche enorm viel Spaß bereitet hat.  Dieses kleine, unscheinbare Gehäuse, das für diese Größe wirklich tolle Objektiv und das unbemerkte Fotografieren, was diese Kamera erlaubt - das Konzept stimmt einfach und macht Lust auf mehr.

Anbei nochmal eine kleine Auswahl an Bildern, alle mangels geeignetem Scanner mit der Digitalkamera abfotografiert und in Lightroom angepasst.

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Kommentare: 2
  • #1

    Toby (Dienstag, 20 Februar 2018 12:38)

    Schöner Beitrag. Nett verpackt und mit schönen Aufnahmen untermauert.

    Grüße aus Frankfurt

  • #2

    Thomas Preuß (Dienstag, 20 Februar 2018 14:42)

    Ein ähnliches Erlebnis hatte ich mit meiner Rollei 35 S. Super scharfe und kontrastreiche SW-Bilder. Entfernungen schätzen bedarf allerdings etwas Übung. Ist dir aufgefallen dass die SW Bilder in der Entwicklung bei DM 3 mal teurer sind als Farbentwicklung? Ein Scanner wird nicht mehr angeschafft. Ich bin auch ziemlich zufrieden mit dem Abfotografieren per Kamera.

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